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PubMed-ger:32050283 JSONTXT

HINTERGRUND:  In den Jahren 1978 und 1979 wurde in der DDR kontaminiertes Anti-D-Immunglobulin eingesetzt. Infolgedessen wurden mehrere tausend Frauen mit Hepatitis C infiziert. Diese Frauen wurden ärztlich versorgt. Bis heute werden die Forschungsergebnisse und Daten in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Bislang war unklar, ob die betroffenen Frauen in die klinische Forschung einwilligten.
METHODEN:  Es wurden historische Quellen (Archivdokumente) analysiert und Interviews mit Zeitzeugen geführt.
ERGEBNISSE:  In der DDR wurden die betroffenen Frauen ohne ausreichende Informationen über Krankheit, Diagnose und Therapie zwangsbehandelt. Wenn die Frauen die medizinische Versorgung ablehnten, wurden sie von den Ärzten dazu gezwungen. Medizinische Versorgung und Forschung waren untrennbar miteinander verbunden. Ohne das Wissen der Frauen und ohne ihre Zustimmung wurde an den von ihnen gewonnenen Blutproben und Leberbiopsien geforscht.Nach der deutschen Wiedervereinigung forschten fast dieselben Ärzte an derselben Patientengruppe weiter. Ab 1990 wurde den Frauen die Interferontherapie angeboten. Parallel zur Behandlung mit Interferon wurden Studien über die Wirkung der Therapie durchgeführt. Auch in diesem Fall wurden die Frauen nicht über die Verwendung der erhobenen Daten informiert. Die Frauen stimmten dieser Forschung nicht zu.
SCHLUSSFOLGERUNGEN:  Ärzte sollten sich bewusst sein, dass sie die Grenze zwischen medizinischer Versorgung und wissenschaftlichem Interesse klar definieren müssen. Es sollten ausschließlich Daten aus Studien zur Veröffentlichung akzeptiert werden, die unter ethischen Gesichtspunkten korrekt gewonnen wurden.

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